Ruhm oder Anonymität – „Eblings Ausweg“ oder „Auf in den Osten“?
von Chiara Meier, Jg. 12
Das Buch „Ruhm“ wurde im Jahre 2009 von Daniel Kehlmann verfasst und erschien erstmals im Rowohlt Verlag. Daniel Kehlmann gewann 2010 für „Gloire“, der französischen Fassung von „Ruhm“, den Prix Cévennes du roman européen.
„Ruhm“ ist ein Roman, wie Daniel Kehlmann ihn selbst bezeichnet, der jedoch in neun einzelnen Geschichten erzählt wird.
Die einzelnen Handlungsstränge sind miteinander verwoben. So begeht eine Figur einen Fehler, welcher Auswirkungen auf andere Figuren hat, oder eine andere Figur entspringt der Fantasie einer anderen, oder wiederum eine andere nimmt das Angebot zu einer Lesereise an – mit ungeahnten Folgen.
Dabei hat fast jede der Geschichten etwas mit Ruhm zu tun. Als eindeutiges Leitmotiv lässt sich jedoch die Technik bezeichnen. Letztere spielt eine wichtige Rolle: Sie verhilft einer Figur zu ihrem Doppelleben und führt dazu, dass ein anderer den Ruhm einheimst, der ihm seinem bisherigen Leben nach eigentlich gar nicht zustünde.
„Ruhm“ ist äußerst interessant gestaltet: Die Charaktere sind sehr vielseitig und die Geschichten variieren auch sprachlich je nach Figur. Zudem ist der Aufbau, die gesamte Struktur, etwas Neues und bietet somit dem Leser eine andere Möglichkeit, sich von dem Buch vereinnahmen zu lassen. Zweifellos spinnt Kehlmann ein dichtes Netz um seine Figuren, um damit seinen Geschichten Ausdruck zu verleihen. Er lässt seine Figuren, nach seinen Vorlieben, miteinander in Verbindung treten und dadurch ein großes Ganzes entstehen. Insgesamt bietet das Buch viel Freiraum zum Interpretieren und regt zum Nachdenken an.
Klingt eigentlich nach einem tollen, gelungenen Buch – wenn es nur nicht so langweilig gewesen wäre! Ich fing an, die ersten Kapitel zu lesen – und erhoffte mir ein baldiges Ende!
Aber ich dachte mir: „Komm, gib dem Buch eine Chance!“. Doch auch nach der dritten Chance und dem entsprechenden (dritten) Kapitel empfand ich nur noch das dringende Bedürfnis, entweder die Seiten zu zählen, die einfach nicht weniger werden wollten, oder ständig auf die Uhr zu schauen, wie viel Zeit schon vergangen war. Mein Zeitlimit für die 197 Seiten, von denen einige genau genommen keine ganzen Seiten sind, wurde einfach nur maßlos gesprengt. Ich brauchte länger denn je und dabei muss ich noch gestehen, nicht jeden Satz in diesem Buch gelesen zu haben. Denn als mich die Woge der Langeweile überkam, konnte ich nicht anders, als die zu lesenden Seiten von unwichtigen Details zu befreien.
Wenn ich an die Lektüre zurückdenke, dominiert mehr oder weniger nur ein Wort: Langeweile.
Vielleicht, wenn ich es in ein paar Jahren nochmals lesen werde, betrachte ich es aus einem anderen Blickwinkel und bin angetan. Für den Moment kann ich „Ruhm“ nicht viel abgewinnen.
Zum Schluss lässt sich sagen, dass Kehlmanns Ideen und Vorstellungen einen guter Ansatz bilden. Auch sein Einbringen der nicht durchschaubaren Realität und Fiktion lässt hoffen. Sein Schreibstil sollte jedoch hierfür noch etwas fesselnder gestaltet sein.
Was genau der Autor uns mit diesem Werk vermitteln will, kann eigentlich nur er selbst wissen. Wir Außenstehende können da nur raten. Vielleicht möchte er uns auch einfach zum Nachdenken anregen und uns selbst eine Lösung aussuchen lassen; denn davon gibt es sicher einige.